Und ich sitze mal wieder im Zug. Schon am Gleis eben, ich hatte dieses Gefühl. unterwegs zu sein. on the road. Irgendwo einsteigen, irgendwo anders wieder aussteigen. Die Zynikerschweinekartei, wie Max Goldt es so treffend formuliert hat, habe ich daheim gelassen. Ein wenig beneide ich sie, ich meine – Dortmund. Das ist immerhin nah dran an Paderborn.
Egal. Fallen Männer weniger als Frauen? Fallen Jungen weniger als Mädchen? „Bist du in der Lage zu bestimmen, wann Mama an die Decke geht?“ Beim ersten Mal bin ich gegangen, um zu flüchten, aber hab ich mir das eingeredet oder war es wirklich so? Vier Fragen, drei völlig unterschiedliche Lebensbereiche. Ein Raum. Pädagogik der frühen Kindheit.
Und wie sie da sitzt, mit ihm. Sie hat es souverän gemacht. Und wie er da sitzt, offen, vorsichtig, interessiert. Stellt die richtigen Fragen als Bestätigung. Und dann fällt der entscheidende Satz. Und dann noch einer. Und der nächste. Und manch einer findet sich wieder in der Analyse. Ich zumindest. Und ich frage mich, wie es wäre, dort mit meinen Eltern zu sitzen. Mit Mama und Papa. Denn es geht ums Verstehen. Allein darum.
(Ich glaube, wir Erwachsene müssen „verstehen“ irgendwie neu lernen. Kinder können es. von Anfang an. Und reagieren einfach. Wir müssen es neu lernen. Neu lernen zuzuhören. Zuzusehen. Und die Perspektiven zu wechseln. Und dann zu sich selber in Distanz treten. Um zu verstehen. Um neu zuhören zu können. Um neu verstehen zu können. Das ist die Basis für die Glaubwürdigkeit, die dieser Beruf braucht. Von der dieser Beruf lebt. Ohne geht’s nicht. Oder haben Sie schon mal eine frustrierte Erzieherin gesehen, die für sich selbst den Horizont verloren hat - gleichzeitig aber pädagogisch hochwertvolle Arbeit leistet? Aha. Eben. Geht nicht. Nur so sind wir in der Lage, nicht FÜR Kinder, sondern MIT Kindern Lösungen zu suchen und dann verstehend pädagogische Konsequenzen zu ziehen. In Einzelfällen entscheidet der Mensch, nicht die Theorie. Pädagogik der frühen Kindheit.)
Er liest in ihr wie in einem Buch. Eine Bereicherung für jeden Einzelnen. Und ich fülle den Bogen nicht aus. Ich streiche ihn durch. Und schreibe drunter, dass Noten in diesem Fall keinen Sinn machen. Weil in diesem Fall Kriterien keinen Sinn machen. Weil er sich nicht in Kriterien einteilen lässt. Da war diese Erkenntnis. Dass man in diesem Rahmen Lernprozesse nicht auf jene Art und Weise bewerten kann. Es wäre Verrat gewesen. An mir, an ihm. An den ganzen Stunden, die wir gemeinsam in diesem Raum verbracht haben. Und ich habe eine Träne im Auge. Genau wie er. Er WAR eine Bereicherung für uns. Für jeden Einzelnen. Richtig „verstehen“ konnte man das erst heute. Als er dort saß. Mit ihr. Und uns zeigte, wie es geht. Mit dem „verstehen“. Und auf einmal heißt das ganze nicht mehr nur „Sich selbst verstehen“, sondern ab heute heißt es zusätzlich „Fremdverstehen“.
Und ich frage mich, wie es wäre, dort zu sitzen. Denn es geht ums Verstehen. Allein darum. Während der letzten Tage habe ich oft erschreckt festgestellt, wie wenig ich weiß. Von früher. Und genau dafür brauch ich euch. Euch zwei. Und Niemanden sonst. Ich will den Halt zurück, den ich zu einer anderen Zeit nicht gespürt habe.
Und dann die Frage nach Mut oder Leichtsinn.
Und dann die Frage des Vertrauens.
Und dann zu sich selbst in Distanz treten.
Und während sie dort vorne sitzt, frage ich mich: warum. Und ich glaube verstehen zu können, warum ich damals gegangen bin. In den Norden der Welt. (Ich bin gegangen, um zu flüchten. Habe ich mir das eingeredet oder war es wirklich so?) Und warum gleich noch mal? (Vor allem aber frage ich mich, habe ich es abgebrochen wegen mir oder wegen ihr? Und vor allem, weiß sie das?) Und warum ich jetzt gegangen bin. Ans andere Ende von Deutschland.
(Ich kann deren Probleme nicht auffangen, deshalb gehe ich. „Kann Papa entscheiden, wer im Kindergarten dein bester Freund ist?“ „Nein“„Kannst du denn entscheiden, mit wem Papa am liebsten zusammen ist?“ „Öh, nein.“ Ermutigen, sich rauszuhalten? Oder ermutigen, sich einzumischen? Es gibt keine klare Antwort. Man kann die Liebe der Eltern nicht beeinflussen. Trotzdem frage ich mich, wie es wäre. Wenn wir dort säßen.)
Ich glaube verstehen zu können, warum es ausgerechnet der Kindergarten sein sollte. Ich weiß jetzt, warum ich da sitze bzw: wie ich da hingekommen bin. Um zu verstehen. Und um fremdzuverstehen. Aber das, das muss man erstmal verstehen.
(Und im zweiten Zug hab ich dann das Gefühl, als säße mein Passwort neben mir. Denn genau so hatte ich mir das irgendwie vorgestellt. )
Donnerstag, 19. Juni 2008
you know, how i feel
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
2 Kommentare:
nur das beste nachträglich übrigens!!!
danke! danke! (mensch, schön mal wieder was von ihnen zu hören! hürde gemeistert?)
Kommentar veröffentlichen